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Makani oder

.... Mit dem Staff quer durch NRW

Nachdem wir so einen tollen Bericht von der neuen Besitzerin der Staffordshire Hündin Makani bekommen haben, möchten wir Ihnen diesen natürlich nicht vorenthalten. Er zeigt deutlich, welche Hürden der Gesetzgeber vor ein artgerechtes Hundeleben gestellt hat und weshalb es sich lohnt, dafür zur Not auch bis nach Erftstadt zu fahren:

 

Voraussetzungen für die Haltung eines „gefährlichen Hundes“ und wo kann man überhaupt den Wesenstest absolvieren?

 

 Für „gefährliche Hunde“ nach §3 LHundG NRW besteht generell außerhalb des befriedeten Besitztums eine Leinen- und Maulkorbpflicht.

In Nordrhein-Westfalen zählen folgende Rassen zu den sog. „Katogerie-1-Hunden“:
* American Staffordshire Terrier
* Bullterrier
* Pitbull Terrier
* Staffordshire Bullterrier
* Kreuzungen dieser Rassen
* Kreuzungen mit anderen Rassen
* Hunde, deren Gefährlichkeit im Einzelfall festgestellt wurde.

Eine Befreiung vom Leinen- und/oder Maulkorbzwang kann unter Vorlage einer Bescheinigung des Amtstierarztes über eine erfolgreich abgelegte Verhaltensprüfung (dem sog. Wesenstest) beantragt werden.

So einfach wie das klingt, ist es aber nicht.....

Voraussetzungen und Nachweise

Ich habe im November 2017 meine Makani, eine American Staffordshire Terrierhündin, aus dem Tierheim Düsseldorf übernommen. Aber bevor ich sie überhaupt aus dem Tierheim abholen durfte, musste ich (neben den allgemeinen Voraussetzungen wie Vollendung des 18. Lebensjahres, sichere Haltung und Führung des Hundes an der Leine, Kennzeichnung des Hundes per Mikrochip, Antrag zum Halten eines gefährlichen Hundes nach §3 Landeshundegesetz mit Begründung eines besonderen privaten oder öffentlichen Interesses an der Haltung dieses Hundes) etliche Nachweise erbringen. Für die geforderte ausbruchssichere Unterbringung des Tieres musste ich zunächst einmal meinen bestanden, aber leider zu niedrigen Zaun durch einen 1,80 m hohen Zaun ersetzen lassen. Die Wohnung musste ebenfalls ausbruchssicher gestaltet sein (Türen müssen mit umgedrehten Türklinken oder Knäufen versehen sein, Fenster müssen abzuriegeln sein). Das Ordnungsamt überprüfte dies auch mit einer Ortsbesichtigung. Dann ging es weiter mit dem Sachkundenachweis (abzulegen von allen Personen, die den Hund führen möchten), der aber nur durch Ablegen einer Sachkundeprüfung beim Amtstierarzt eingeholt werden konnte. Ein Führungszeugnis (Belegart "0") musste beantragt und eine Haftpflichtversicherung mit einer Mindestdeckung für Personenschäden 500.000 Euro und für Sachschäden 250.000 Euro musste abgeschlossen werden (Achtung: nicht alle Versicherungen akzeptieren die sog. Kampfhunde, unbedingt vorher nachfragen!). Nachdem nun alle Nachweise dem Ordnungsamt vorlagen, durfte ich Makani endlich aus dem Tierheim abholen – allerdings mit Maulkorb und Leine gesichert!

Der Wesenstest - Wann?

Meine verspielte und absolut soziale Hündin wollte ich keinen Tag länger mehr am Rhein mit Maulkorb und Leine laufen lassen müssen - wo doch alle andere Hunde ohne laufen duften. Sie und die anderen Hunde konnten so nicht miteinander spielen und empfanden das Ding um ihr Maul für den Sozialkontakt sehr befremdlich.

Die Maulkorb- und Leinenpflicht gilt ab dem 6. Lebensmonat bis zum Ablegen der Verhaltensprüfung, die aber erst mit dem 2. Lebensjahr für die unbefristete Befreiung von der Maulkorb- und Leinenpflicht abgelegt werden darf. Da Makani zum damaligen Zeitpunkt noch zu jung für den Wesenstest war, fragte ich beim Veterinäramt Düsseldorf nach Möglichkeiten einer vorläufigen Befreiung (an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Frau Ries vom Veterinäramt Düsseldorf, die mir bei Fragen rund um den „Kampfschmuser“ immer zur Seite stand). Dies war nur möglich, wenn man an einem Junghundekurs in einer nach §11 des Tierschutzgesetzes vom Veterinäramt anerkannten Hundeschule teilnimmt und die Hundetrainer den Hund als nicht verhaltensauffällig befinden. Sowohl die Einschätzung als auch die regelmäßige Teilnahme musste von der Hundeschule bescheinigt und dem Veterinäramt vorgelegt werden. Also bin 4 Monate lang jeden Sonntag mit Makani zur Hundeschule gefahren und bekam meine befristete Befreiung. Nach Beendigung des Kurses wollte ich nun den Wesenstest abgelegen – denn ohne den hätte Makani wieder Maulkorb und Leine tragen oder ich hätte weiterhin meine Sonntage in der Hundeschule verbringen müssen. Und da ging die Odyssee los.....

Der Wesenstest - Wo?

Ich habe das ganze Internet abgesucht, nach der Frage: „Wo kann ich den Wesenstest ablegen?“ - denn in Düsseldorf gibt es zurzeit keinen, der das macht (zu kostenaufwändig!). Im Internet fand ich auch nur Beiträge von Leuten, die das gleiche fragten oder Hundeschulen, die zwar auf den Wesenstest vorbereiten, aber diesen bei Katogerie-1-Hunden nicht abnehmen dürfen (dies dürfen nur von den Kreisverwaltungen benannte Amtstierärzte in NRW). Und die Liste über die Sachverständigen nach dem Landeshundegesetz NRW (Stand 16.4.2018), die man im Internet finden kann, ist jetzt schon veraltet – mag sein, dass die aufgeführten Personen die Erlaubnis erteilt bekommen haben, bieten den Test aber nicht an oder sind ohne Angabe von Kontaktadressen für mich nicht auffindbar gewesen. Also hing ich 2 Tage am Telefon, habe alle Kreisverwaltungen in NRW (Unna, Bonn, Leverkusen, Köln, Mettmann, Rhein-Kreis-Neuss, Kreis Kleve, Rhein-Erft-Kreis.....) angerufen oder angeschrieben (da meist keiner ans Telefon ging) und fragte nach kurzfristigen Terminen für die Abnahme des Wesenstests. Egal wo – ich wäre überall hingefahren!

Wenn ich überhaupt Antwort bekommen habe, musste ich zu meiner Enttäuschung feststellen, dass man monatelang auf einen Termin warten muss. Man wird dann auf eine Warteliste gesetzt und sobald 10 Teilnehmer (denn darunter ist der Aufwand für die Kreisstellen zu kostspielig) zusammengekommen sind, bekommt man irgendwann einen Termin genannt - dies kann bis zu 5-12 Monaten dauern! Einige Kreisstellen nehmen sogar nur ortsansässige Bürger in die Liste auf (Mettmann: "Sehr geehrte Frau Dr. Sommer, leider muss ich mitteilen, dass wir Hundehalter, die nicht im Kreisgebiet leben, aus bürotechnischen Gründen nicht mehr testen können.") oder bevorzugen diese zumindest (Bonn).

Ich hatte eigentlich nur Glück, dass im Rhein-Erft-Kreis ein Teilnehmer abgesprungen ist, so dass ich zwei Tage nach meiner Anfrage spontan teilnehmen konnte. Dabei ist zu erwähnen, dass der Rhein-Erft-Kreis tatsächlich monatlich die Abnahme der Verhaltensprüfung und unabhängig von der Mindestanzahl von 10 Teilnehmern anbietet! Die Prüfung fand in Erftstadt statt, ca. 1 Stunde Anfahrt, und verlief unter der Leitung von Amtstierärztin Frau Schönauer in sehr angenehmer Atmosphäre. Ich war nervöser als mein Hund, aber Makani hat den Test mit Bravour bestanden und erhält nun die unbefristete Befreiung von Maulkorb und Leine :-)
Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch Herrn Werner Eiteneuer aus Wiehl erwähnen, der dieses Jahr zwar vor September aus krankheitsbedingten Gründen keinen früheren Wesenstest anbieten konnte, der aber unglaublich bemüht war, mir bei der Suche nach einem Sachverständigen zu helfen. Auch ihn kann ich nur wärmstens empfehlen!

FAZIT
Abschließend ist nur noch zu sagen: der Gesetzgeber fordert zwar den Verhaltenstest - gibt einem aber nur schwerlich die Möglichkeit dazu! Also meldet Euch mit Eurem Kampfschmuser frühzeitig an, wenn ihr nicht monatelang auf einen Termin warten wollt!

Von Dr. Katja Sommer

www.tierarztpraxis-herzogstrasse.de

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