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Versuchstierzahlen

...bleiben auf Rekordniveau

Pressemeldung

21.12.2018

Neue Statistik zeigt: 2017 fast drei Millionen Tiere „verbraucht“

Die Zahl der in Versuchen „verbrauchten“ Tiere bleibt auf einem konstant hohen Level – das zeigt die gerade veröffentlichte Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass die Bundesregierung seit Jahren einen Ausstieg aus Tierversuchen verspricht, es hierbei aber offensichtlich nur bei Lippenbekenntnissen bleibt, die sich nicht in den Zahlen widerspiegeln. Insgesamt 2.807.297 Tiere kamen im Jahr 2017 in Tierversuchen zum Einsatz, im Vorjahr waren es 2.854.586. Besonders erschreckend: Die Zahl der Affen stieg um 43 Prozent, darunter erstmals genetisch veränderte Tiere.

„Die Zahlen zeigen deutlich, dass sich nichts bewegt. Anstrengungen zur Erreichung des langfristigen Ziels, Tierversuche komplett zu ersetzen, wie es die Bundesregierung angekündigt hat, sind nicht erkennbar“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Während die Politik offenbar untätig bleibt, statt eine konkrete Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen zu erarbeiten, leiden fast drei Millionen Tiere weiter im Namen der Wissenschaft. Obwohl dies – etwa durch eine verstärkte Förderung und Anwendung von tierversuchsfreien Methoden - in vielen Fällen vermeidbar wäre. Die Koalition scheitert offenbar erneut krachend bei einem Tierschutzziel.“

Kritik übt der Deutsche Tierschutzbund auch daran, dass das BMEL die Versuchstierzahlen erneut kurz vor den Weihnachtsfeiertagen veröffentlicht hat, obwohl Deutschland die Zahlen laut Vorgaben der  EU-Tierversuchsrichtlinie bereits am 10. November 2018 an die EU-Kommission übermitteln musste. Aus Sicht der Tierschützer nutzt das BMEL bevorzugt diesen Zeitrahmen für die Veröffentlichung, in der Hoffnung, dass die Zahlen unter dem Radar laufen und kein großes Aufsehen hervorrufen. Zudem ist die Aufschlüsselung der Zahlen wie bereits im letzten Jahr verwirrend, sodass sich ein Vergleich zu den Vorjahren schwierig gestaltet. „In Bezug auf die Versuchstierzahlen sollte das BMEL eigentlich auf höchste Transparenz setzen“, so Schröder. „Wenn man die Verzögerungstaktik und die unübersichtliche Auflistung der Zahlen bedenkt, ist dies aber offensichtlich nicht der Wunsch der Bundesregierung.“

Zahl der Affen steigt; erstmals auch genetische Veränderungen

2017 wurden vor allem Mäuse und Ratten (wie im Vorjahr 79 Prozent) und Fische (7 Prozent) in Tierversuchen verwendet. Aber auch 3.330 Hunde und 718 Katzen kamen zum Einsatz. Die Zahl der verwendeten Affen stieg im Vergleich zum Vorjahr von 2.418 auf 3.472 Tiere, da fast tausend Javaneraffen mehr in Versuchen eingesetzt wurden. Insgesamt 115.107 Tiere mussten den höchsten Grad an Schmerzen, Leiden und Schäden erleiden. 827.530 Tiere, etwa 40 Prozent, wurden gentechnisch manipuliert. Zum ersten Mal tauchen auch gentechnisch veränderte Affen in der Statistik auf: zehn Marmosetten und Tamarine. „Es ist ethisch mehr als verwerflich, dass sich die Forscher immer stärker an unseren nächsten Verwandten vergreifen, anstatt deren Anzahl in Tierversuchen zu reduzieren“, kommentiert Schröder.

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