Schwein ohne Pein

Die Qual der Ferkel bei der betäubungslosen Kastration geht weiter! 730 Tage weiter leiden….

Am Abend des 29.11.2018 um 21.46 Uhr stand fest, dass das Leid der Ferkel um zwei Jahre verlängert wird. Bei der namentlichen Abstimmung im deutschen Bundestag hatten 421 Abgeordnete mit „Ja“ gestimmt, und somit der Fristverlängerung zugestimmt. Mit „Nein“ hatten 142 Abgeordnete gestimmt und 87 enthielten sich ihrer Stimme. Für uns als Tierschutzverein Düsseldorf war sofort klar, dass wir dies nicht einfach so hinnehmen wollen, gab es doch es doch eine Übergangsfrist von fünf Jahren, in der mehr als genug Zeit war, Alternativlösungen zu erarbeiten.

 

Als ersten Schritt entschlossen wir uns dazu, alle beteiligten Abgeordneten anzuschreiben. Zum einen, um uns bei denen zu bedanken, die sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen haben und zum anderen, um denjenigen, die sich dafür ausgesprochen haben unsere Abscheu und  Missfallen kundzutun. Im Folgenden der Wortlaut der zwei  Briefe, beide verfasst unter dem Namen „Die Bewegung Herz & Verstand des Tierschutzvereins Düsseldorf“. Dieser Name soll Programm sein, damit wir für die Tiere etwas erreichen, und nicht zwei Jahre tatenlos zuschauen.

Das Schreiben an die 142 Abgeordneten, die gegen die Verlängerung gestimmt haben im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Damen und Herren,

am 29.11.2018 haben Sie bei der Abstimmung TOP 11a.2./3., Beratung des von der Fraktion der CDU/CSU und der SPD eingebrachten Antrags eines vierten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes, gegen die zweijährige Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration gestimmt.

Dafür sprechen wir Ihnen unseren größten Respekt aus, und bedanken uns von ganzem Herzen.

Sie haben ein Zeichen gesetzt, dafür, dass es auch in der Politik noch Menschen gibt, die eine eigene Meinung haben, durchdacht und verantwortungsbewusst. Und den Anstand, sich für die Schwächsten einzusetzen. Wohltuend abweichend vom Mainstream, der auch in ihren Reihen, offenbar blind für Gut und Böse, hastig und gierig möglichen eigenen Interessen hinterher jagt.

Bitte bleiben Sie weiterhin kritisch, und lassen Sie sich nicht beirren.

Mit den besten Grüßen

Die Bewegung Herz & Verstand des Tierschutzvereins Düsseldorf

An die Abgeordneten die für die Verlängerung gestimmt haben ging folgendes Schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 29.11.2018 haben Sie bei der Abstimmung TOP 11a.2/3. Beratung des von der Fraktion der DDU/CSU und SPD eingebrachten Antrag eine vierten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes für eine Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration gestimmt

Obwohl Sie wussten, dass es sich hierbei um eine bestialische Tierquälerei handelt. Obwohl es bereits drei praktikable Alternativen gibt. Obwohl Sie damit gegen das Grundgesetz verstoßen haben. Obwohl Sie sich damit gegen den Willen von 87% der Bevölkerung gestellt haben. Obwohl nur 3-5% der Eber den beanstandeten Geruch aufweisen und vor der Schlachtung aussortiert werden können.

Das bedeutet millionenfache Barbarei und Folter für die Tierkinder ohne jeden Sinn.

Eine derartige Haltung erwartet die deutsche Bevölkerung in aller Regel nicht von ihren Vertretern im Bundestag. Die Art und Weise wie die Abstimmung durchgeführt wurde, am Abend, ohne Anhörung von Spezialisten, die sich bekanntlich in hoher Zahl dagegen ausgesprochen hatten, ohne Anhörung der Tierschutzverbände, mutet sehr seltsam an. Ein Skandal, der dem Parlament Schaden zufügt.

Für die Wähler bedeutet das wieder mal eine Enttäuschung und einen Vertrauensverlust.

Der deutsche Abgeordnete ist laut Grundgesetz nur seinem Gewissen verpflichtet. Wo ist das Ihre geblieben?

Mit freundlichen Grüßen

Die Bewegung Herz & Verstand des Tierschutzvereins Düsseldorf

 

Im Laufe der nächsten Tage trudelten schnell die ersten Antworten ein. Mit so viel Feedback hatten wir ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet, umso mehr überraschten uns die Antworten. Offenbar hatten wir in ein Wespennest gestochen. Die Begründungen, weshalb man für die Verlängerung gestimmt hatte waren dabei oftmals genauso kreativ und hanebüchen, wie schlichtweg falsch. Hier nur einige Auszüge:

  • …weil die Verlängerung der Übergangsfrist…leider alternativlos ist.
  • …dass es in Deutschland…noch keine entsprechenden Medikamente gibt.
  • …dass die einzige Alternative eine Vollnarkose sei, die…erhebliche Risiken birgt.
  • …da die bereits bekannten Alternativen…noch nicht ausreichend akzeptiert sind.
  • Ein Verbot…hätte nicht nur zur Folge gehabt, dass die gesamte Ferkelerzeugung…zusammenbricht
  • Männliche Ferkel werden kastriert, um den stark urinhaltigen Ebergeruch beim Fleisch mancher Tiere zu vermeiden.
  • Auch die Imfung bzw. die Ebermast stellen derzeit noch keine Alternative dar.
  • …weil es derzeit keine die Interessen des Tierschutzes und jene der Kleinen und mittelständischen bäuerlichen Betriebe gleichermaßen ausreichend berücksichtigende Lösung gibt.

Umso mehr freuten uns die vielen Antworten, der Bundestagsabgeordneten, die sich gegen die Fristverlängerung ausgesprochen hatten. Hier konnte man deutlich herauslesen, wie selten offenbar ein positives Feedback für die Politiker ist, und dass ihre Arbeit meist kritisiert, aber nur selten anerkannt wird.

Die Aussagen der sogenannten „Ja-Sagern“ wollten wir aber nicht einfach kommentarlos hinnehmen und entschlossen uns daher, sie, wie folgt, erneut anzuschreiben:

Sehr geehrte Damen und  Herren,

 auf unser Schreiben vom 21.12.2018 zu Ihrer Ja- Entscheidung für die Weiterführung der betäubungslosen Ferkelkastration haben Sie uns geantwortet. Dafür vielen Dank.

Es war ein Versuch zu erklären, was nicht zu erklären ist. Wir haben auch von etlichen Ihrer Kollegen viele bunte Argumentationen erhalten und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Es ist verwunderlich, wie man nackte Grausamkeit verbal auf unterschiedlichste Art verharmlosen kann.

 Das Gute an den Stellungnahmen ist zu sehen, wie doch ein Teil des Gewissens nicht zur Ruhe zu kommen scheint. Das Schlimme ist  zu erkennen, dass uns, die Bürger, offenbar eine gewisse, von uns gewählte Volksvertretergruppe für naiv und blauäugig hält.

 Natürlich wissen auch wir, dass ein starker Druck auf Ihnen lastet. Wer aus der Reihe tanzt, wird bekämpft. Das ist so.

Aber da muss man eben Stärke zeigen, was Sie leider nicht getan haben.

Nun helfen leider auch noch so viele erklärende oder  bedauernde Worte dem Folteropfer nicht.

Die Frage, worauf in den kommenden zwei Jahren gewartet werden soll ist von Ihnen nicht beantwortet worden. Was genau soll erfunden werden, was nichts kostet, keine Betäubung ist, aber die Schmerzen ausschaltet? Gern erwarten wir Ihre Vorschläge.

 Mit freundlichen Grüßen

Die Bewegung Herz und Verstand vom Tierschutzverein Düsseldorf

 

Antworten blieben bislang, welch‘ Überraschung aber aus.

 

Aber wir wollen unserem Unmut nicht nur theoretisch kundtun, nein, wir wollten und wollen praktische, umsetzbare Lösungen finden.

Daher haben wir einen, auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam anmutenden Weg  eingeschlagen, und uns direkt an die Bauern gewandt.

Wir wollen mit diesen einen gangbaren Weg erarbeiten, der die Ferkel ab sofort  vor der Qual der betäubungslosen Kastration schützt, und nicht erst in zwei Jahren.

Hierbei stellte sich nun zunächst die Frage, wie erreichen wir Landwirte, und würden sich überhaupt welche finden, die mit uns ins Gespräch kommen wollen würden. Sind doch die Fronten zwischen Landwirten und Tierschützern im Regelfall mehr als verhärtet und man beäugt sich misstrauisch. Den einen wird unterstellt, sie würden Tiere nur und ausschließlich als Ware ansehen, den anderen, dass sie stets und ständig in Ställe einbrechen und die Landwirte in Bausch und Bogen diskreditieren wollen.

Nachdem wir über die Seite der Landwirtschaftskammer an die 15 Landwirte herausgefunden hatten, die evtl. in Frage kommen könnten, gestaltete sich die weitere Kontaktaufnahme als nicht einfach. Zwar wurde meist grundsätzlich Gesprächsbereitschaft signalisiert, doch waren die Vorbehalte, wie schon geschrieben, groß. Ein Landwirt aus dem Kreis Viersen lud uns auf seinen Betrieb ein, wo ein interessantes und durchaus offenes Gespräch stattfand. Dieser Landwirt präferiert den sogenannten Vierten Weg, bei der der Landwirt selbst, nach der Verabreichung eines Lokalanästhetikums selbst kastrieren darf. Ein Methode, die von allen großen Tierschutzverbänden abgelehnt wird. Insofern kam es hier auch nicht zu einer weiteren Zusammenarbeit.

Ein anderer Landwirt, den wir kontaktierten, zeigte sich bereits am Telefon der Immunokastration per Impfung grundsätzlich aufgeschlossen.

Diesen luden wir daraufhin ein und es folgte ein langes und überaus konstruktives Gespräch.

Mehr dazu nächste Woche!