Vergangenen Freitag sollte der Bundestag endlich über die Kastenstandfrage abstimmen, also wie groß die Kastenstände für die Sauen sein und vor allem, wie lange sie darin eingepfercht sein müssen. Aktuell verbringt eine Zuchtsau bis zu 21 Wochen im Jahr (also fast vier Monate) mehr oder weniger bewegungslos in diesen engen Gitterkonstruktionen, die nur wenige Zentimeter größer sind als ihr Körper. Sie kann sich nicht drehen, keinen einzigen Schritt gehen, nur stehen und mit etwas Mühe sich hinlegen. Eine Neuregelung ist längst überfällig, muss jedoch auch berücksichtigen, dass die meisten Sauenhalter ihre Ställe dafür umbauen müssen, was erstens viel kostet und zweitens nicht mal eben ganz fix gemacht werden kann. Allein schon, weil Baugenehmigungen in Deutschland bekanntlich gaaaaaanz lange dauern…

Das Thema ist komplex, die Parteien sind sich nicht einig, und deshalb wurde eine Entscheidung mal wieder vertagt.

Nicht mehr vertagt werden soll nach Aussage von Frau Klöckner das ab 01.01.2021 vorgeschriebene Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration. Mit den drei gesetzeskonformen Alternativen Ebermast, Impfung und Vollnarkose gäbe es ausreichend Möglichkeiten. Der von manchen Verbänden geforderte 4.Weg der Lokalanästhesie schaltet den Schmerz nicht völlig aus und wird somit nicht gesetzlich zugelassen.  Danke, Frau Klöckner, dass den gequälten Ferkeln wenigstens dieses Leid erspart bleibt!

Allerdings haben bekanntlich auch die Alternativen Ebermast und Vollnarkose nicht unerhebliche Nachteile. Bei der Ebermast entstehen Rangkämpfe zwischen den pubertierenden Ebern, die zu heftigen Verletzungen führen können, und die Vollnarkose verhindert zwar Kastrationsschmerz, setzt die Ferkel aber nicht unerheblichem Stress und dem Risiko, nicht mehr aufzuwachen, aus.

Bei der Vollnarkose mit dem Betäubungsgas Isofluran kommt ein weiterer wichtiger Aspekt dazu: die Anwendergefährdung.

Inzwischen wurden drei Geräte zertifiziert, und das Landwirtschaftsministerium hat eine Vorschrift erlassen, dass für die Anwender (Landwirte und ihr Personal) ein Sachkundenachweis für die Durchführung der Vollnarkose notwendig ist. Dieser Sachkundenachweis besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil und soll sicherstellen, dass der Anwender alles richtig macht. So weit, so gut.

Nun meldet sich die Berufsgenossenschaft der Landwirte zu Wort, denn aus unerfindlichen Gründen sind die Gefahren der Isofluran-Narkose für die Anwender nicht in der Sachkundeschulung enthalten. Dabei ist Isofluran ein gefährliches Gas, das lebertoxisch ist, bei Schwangeren das Ungeborene schädigen, Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen kann. Die Berufsgenossenschaft macht deshalb darauf aufmerksam, dass zum Beispiel ein drei- bis fünffacher Luftaustausch im Operationsraum während des Narkosevorgangs gewährleistet sein muss! Ob die normalen Belüftungsanlagen der Bauern das wohl schaffen?

Wir fühlen uns einmal mehr in unserer Meinung bestätigt, dass es nur eine Alternative gibt, die einwandfrei für die Tiere und die Anwender ist, wenig kostet, problemlos angewendet werden kann und (wie sich inzwischen herausgestellt hat) eine hervorragende Fleischqualität erbringt: nämlich die Impfung mit Improvac.

Also, wenn ich Landwirt wäre, ich wüsste genau, was ich spätestens ab 01.01.2021 tun würde!